Ein  "Generationen-Törn"


Die Seglervereinigung '72 e.V., war mal wieder unterwegs auf hoher See.
Diesmal geht es mit dem Flieger oder per Auto zum Ausgangshafen Zadar in Kroatien. Dort werden  vier neue Segelyachten vom Typ Bavaria 46 Cruiser übernommen, mehr als 14 Meter lang, 4,5 Meter breit, groß genug um auf jedem Schiff sieben bis acht Mitsegler bequem unterzubringen und sicher genug, um auch Schwerwetter ohne Schaden zu überstehen. Erfahrene Skipper des Vereines haben vorher die passenden Mannschaften zusammengestellt und ruck zuck sind 30 Segler bereit für das ganz große Abenteuer.

"Generationen-Törn" lautet die Überschrift, ist doch das jüngste Crewmitglied gerade mal 8 Monate alt und unser Senior, der Ruheständler, der Cheforganisator, ist unser "Commodore". Zwischendrin ist jede Altersstufe vertreten und jede individuelle Eignung gefragt.....Segeln ist halt was für jeden und jedes Alter.
Gern gesehen, ja  unabdingbar sind aber auch Crewmitglieder, die sich um das leibliche Wohl der Crew kümmern oder andere, die nicht auf Kriegsfuß mit der Technik stehen und auch mal etwas reparieren können. Oder die sich z.B. durch Organisationstalent hervortun, wenn es heißt die Bordkasse zu führen oder Lebensmittel für die Crew vor Ort einzukaufen. Vielleicht ist man aber einfach nur ein guter Entertainer, der Gitarre spielen oder gut Witze erzählen kann. Alle werden gebraucht.  Ja, diesmal haben wir sogar einen Profi- Zauberer an Bord der Jung und Alt "verzaubert" !
Das Ganze ist also ein Teamerlebnis, allein wäre man nicht in der Lage ein solches Unternehmen  durchzuführen. Dafür steht der Crew dann " die Welt offen", man entscheidet gemeinsam wo es hingehen soll, wo geankert und gebadet wird, welche Städte an der Küste oder welche verträumten Buchten man auf bewohnten oder unbewohnten Inseln "ganz weit draußen" ansteuern wird.
Nachdem die Kojen verteilt, die Kühlschränke voll und das Gepäck verstaut ist geht es los. Man tuckert hinaus, zwischen der Insel  Pasman und dem Festland entlang, mit der untergehenden Sonne im Rücken und genießt die plötzliche Ruhe nachdem der Dieselmotor abgestellt ist und nur noch die Segel uns vorantreiben. Eine verträumte Ankerbucht, ein leckeres Abendessen an Deck, tolle Gespräche, Sterne über uns.  Urlaub, Erholung, schlagartig !
Wer kennt nicht Winnetou und Old Shatterhand, Filme aus den 60er Jahren, tiefe Schluchten in baumlosem Gelände? Diese Filme wurden im damaligen Jugoslawien gedreht und heute kann man mit tiefgehenden Yachten diese Flüsse hinauffahren. Ein unvergessenes Erlebnis an unserem zweiten Tag, rund 10 km mit einem "Dickschiff" im Landesinneren !
Die folgenden Tage werden aber endlich dem Offshore Segeln gewidmet. Eine stabile Hochdruckwetterlage schützt uns vor Überraschungen. Warmes, sonniges Wetter mit gleichmäßigem Wind. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig, das heißt gerade noch mit "Vollzeug" (alle Segel oben). So ziehen wir unsere weiße Spur in das Tiefblau der Adria. 8 bis 10 Knoten Fahrt, es fetzt richtig und gelegentlich tauchen die Relingstützen ins Wasser.
Am Abend sind wir weit draußen in den Kornaten, einem Naturpark bestehend aus hunderten meist unbewohnter Inseln. Unsere Schiffe, gleichzeitig unser Zuhause, sie liegen sicher vertäut in einer kleinen Marina und wir, wir verholen uns mit dem Beiboot nach gegenüber in eine urige Konoba zum lecker Fischessen. Die folgenden Tage bringen uns weiteres tolles Segeln, manchmal draußen auf der offenen Adria, manchmal zwischen den Inseln, vorbei an großen oder kleineren windgeschützte Buchten, die ideal für einen Badestop oder für eine Nacht vor Anker sind. Manchmal muss man aber auch durch eine ganz enge Passagen hindurch steuern, bei denen kaum zwei Schiffe aneinander vorbei passen.
Und plötzlich taucht eine Herde Delphine auf. Unmittelbar vor uns und unter dem Schiff, in freier Natur, man wird irgendwie ganz andächtig und still, einfach toll.
Die Tage vergehen viel zu schnell, obwohl man das Gefühl hat schon ewig unterwegs zu sein. Bald ist man wieder auf Heimatkurs und im Heimathafen. Das Wichtigste -  keine Schäden an der Crew, keine Schäden an den Schiffen und mit einem "Seesack" voll unvergessener Eindrücke machen wir uns wieder auf den Weg zurück in die Zivilisation........................das alles riecht schwer nach Wiederholung!

HANS-ULRICH GÜNTHER